Kommunalwahlen: Der Aargau grünt zaghaft

Die Aargauer Grünen gehen gestärkt aus den Kommunalwahlen hervor. Unter dem Strich gewannen wir drei Sitze in den Exekutiven und zwei in den Gemeindeparlamenten. Wir konnten allerdings nicht ganz überall zulegen: Die Erfolge und Wermutstropfen im Überblick.

Bereits im Frühling 2017 konnte Christiane Guyer ihren Zofinger Stadtratssitz verteidigen, nachdem schon im Januar Beat Küng als erster Grüner in den Gemeinderat von Muri gewählt wurde. Die beiden Wahlerfolge schürten Hoffnung für den Wahlherbst, und tatsächlich gelangen uns vier weitere Coups: Brugg wählte mit Barbara Horlacher nicht nur seine erste grüne „Stadtamme“, sondern die erste Stadtpräsidentin überhaupt. In Aarau wurde Hanspeter Thür zum ersten grünen Stadtrat gewählt und verfehlte die Stichwahl zum Vizeammann um blosse 24 Stimmen. Und sogar in den konservativen Dörfern Muhen und Brittnau schafften Hans Peter Brunner und Armin Schenk die Wahl zum jeweils ersten grünen Gemeinderat.

Ruth Müri (Baden), Gertrud Häseli (Wittnau) und Thomas Baumann (Suhr) konnten ihre Sitze problemlos verteidigen, während unser Badener Stadtammann Geri Müller leider die Wiederwahl verpasste. In Wohlen verteidigte Einwohnerrat Thomas Burkard den Grünen Gemeinderatssitz. Connie Fauver (Villigen) und Guido Bertozzi (Turgi) versuchten beide, Exekutivsitze für die Grünen zu erobern, aber leider klappte es dieses Mal noch nicht. Mit dem Rücktritt von Beat Niederberger verlieren wir zudem unseren Gemeinderatssitz in Bottenwil. Damit kommen wir unter dem Strich auf vier Stadtratssitze (+1), ein Stadtpräsidium (-) und fünf Gemeinderatssitze (+2).

Dieses erfreuliche Ergebnis zeigt: Mit fähigen, lokal verankerten und beliebten Kandidierenden können wir frei gewordene Sitze erobern. Eine Garantie darauf haben wir allerdings nicht, und wo es keine Vakanz gibt, haben wir nach wie vor schlechte Karten. Nichtsdestotrotz: Wenn wir sogar in Dörfern wie Muhen und Brittnau Gemeinderäte stellen können, schaffen wir es überall.

Einwohnerräte: bescheidener Erfolg

Auch in der Legislative konnten wir uns leicht verbessern und von 28 auf 30 Sitze zulegen; beziehungsweise von 37 auf 38, wenn man unsere Schwesterpartei team baden mitzählt. Den Löwenanteil an diesem erfreulichen Ergebnis macht allerdings Zofingen aus, wo wir das erste Mal mit einer eigenen Liste antraten und auf Anhieb drei Sitze erzielten. Neben dem bisher für die SP politisierenden Matthias Hostettler sind Kantonalparteipräsident Daniel Hölzle und Gian Guyer gewählt. Sonst ist die Bilanz durchzogen: In Aarau konnten wir trotz des Rücktritts unseres langjährigen Fraktionschefs Markus Hutmacher die fünf Einwohnerratssitze halten, mit einer rekordlangen Liste. Der Neue im Team ist Umweltwissenschaftler Daniel Ballmer. In Baden gewannen wir einen Sitz, allerdings auf Kosten unserer Schwesterpartei team baden. Umweltnaturwissenschaftlerin Corinne Schmidlin konnte davon profitieren. In Brugg sorgte der Barbara-Effekt für einen sechsten Sitz und gleich drei neue Ratsmitglieder: Schreiner Urs Bürkler, Umweltingenieur Yves Gärtner und Primarlehrerin Livia Gärtner. In Wohlen und Obersiggenthal konnten wir unsere Sitze halten. In Wohlen gibt es nun dank der Neuwahl von Franziska Matter Schlein, Kindergartenlehrerin, eine reine Frauenfraktion. In Lenzburg und Buchs verloren wir hingegen je einen Sitz an die SP, in Wettingen einen an die GLP; Rücktritte und kurze Listen trugen dazu bei. In Windisch gab es wie bisher keine Grüne Liste.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass möglichst volle Einwohnerratslisten und Rücktritte innerhalb der Legislaturperiode Sitzverluste verhindern. Sitzgewinne waren dieses Jahr schwierig zu erzielen, wo es die Grünen bereits vorher gab. Es war zwar ein erfreulicher Linksrutsch zu verzeichnen, aber die gewonnenen Sitze gingen fast vollumfänglich an die SP, die mit ihren Telefonaktionen derzeit in puncto Mobilisierung deutlich bessere Karten hat als wir. Einzige Ausnahme: Brugg. Hier konnte Barbara Horlachers Wahlkampf genug grüne Stimmen mobilisieren, dass es zu einem Sitzgewinn reichte. Dasselbe wäre vielleicht auch in Aarau möglich gewesen, aber die Stadtrats- und Einwohnerratswahlen waren nicht am selben Termin, und die Stichwahl zum Vizeammann mobilisierte nicht besonders.

Unsere Exekutivmitglieder 2018-21

Städte: Hanspeter Thür (Aarau, neu), Ruth Müri (Baden, bisher), Barbara Horlacher (Brugg, neu, Stadtpräsidium), Christiane Guyer (Zofingen, bisher)
Gemeinden: Armin Schenk (Brittnau, neu), Hans Peter Brunner (Muhen, neu), Beat Küng (Muri, neu), Thomas Baumann (Suhr, bisher), Gertrud Häseli (Wittnau, bisher) und Thomas Burkard (Wohlen, neu)

Unsere Einwohnerratsmitglieder 2018-21

Aarau (-): Petra Ohnsorg Matter, Susanne Klaus, Gérald Berthet, Christian Schäli (bisher), Daniel Ballmer (neu)
Baden, Grüne (+1): Stefan Häusermann, Margreth Stammbach, Michael Staubli (bisher), Corinne Schmidlin (neu)
Baden, team (-1): Fritz Bosshardt, Iva Marelli, Nadia Omar, Olivier Funk, Susanne Slavicek, Luca Wälty, Benjamin Steiner, Martina Niggli (alle bisher)
Brugg (+1): Julia Grieder, Thomas Gremminger, Samuel Moor (bisher), Urs Bürkler, Yves Gärtner, Livia Gärtner (neu)
Buchs (-1): Werner Schenker, Barbara Fäh (beide bisher)
Lenzburg (-1): Lukas Häusler, Jasmin Alvarez (beide bisher)
Obersiggenthal (-): Urs Müller, Christian Keller, Petra Rutschmann (alle bisher)
Wettingen (-1): Leo Scherer, Dacfey Dzung (beide bisher)
Wohlen (-): Magdalena Küng, Anna Keller (bisher), Franziska Matter Schlein (neu)
Zofingen (+3): Matthias Hostettler (bisher SP/Alternative), Daniel Hölzle, Gian Guyer (neu)