Früher Start statt Ausschlafen

Um 10 Uhr beginnt die Grossratssitzung. Also ausschlafen, zmörgele, nach Aarau schlendern, Kaffee-Gipfeli und dann mal gemütlich im Halbrund Platz nehmen?
Ganz so ist es nicht. Mirjam Kosch begrüsst um 8.05 Uhr zur Fraktionssitzung. Nicht nur behandlungsreife und die heute traktandierten Geschäfte, sondern auch Anlässe ausserhalb des Ratsbetriebs (GV Wald Aargau, GV Vision Landwirtschaft, Funkenflug-Feier) und Ideen für neue Vorstösse besprechen wir. Energetische Sanierungen, Tagesschulen, Wasserqualität, … Es ist ein angenehmer Einstieg, warmlaufen unter Freunden vor dem Sprung ins Haifischbecken.

Im Haifischbecken: Finanzausgleich und Raumplanung

In diesem Becken wird am Vormittag episch über eine Veränderung im Finanz- und Lastenausgleich zwischen den Gemeinden debattiert. Die GRÜNEN unterliegen zusammen mit der FDP einer Mehrheit, die weniger Ausgleich und Umverteilung will und das auch durchsetzt.
Einen Vorstoss der SVP zur Raumplanung ordnet Thomas Baumann so ein: «Die aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft sind vielfältig und nicht primär raumplanerischer Art. Die Produktion landwirtschaftlicher Nahrungsmittel funktioniert in der Schweiz sehr gut. Andere Themenbereiche wie z. B. Klimaanpassung, Wasserstrategien und ausgeglichene Märkte sind viel dringender anzugehen. So wurde zu Beginn des Ukrainekrieges das Brotgetreide in der Schweiz sehr knapp. Auf der anderen Seite findet aktuell eine Überproduktion im Bereich Milch und Schweinefleisch statt. 1 Mio. kg Milchbestandteile wie z. B. Magermilch werden zzt. täglich nicht in Milchverarbeitungsbetrieben, sondern in Biogasanlagen geliefert, und im Schweinemarkt wurden in den letzten Monaten ethisch fragwürdig 30’000 Ferkel und Schweine geschlachtet, um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.»

Ein neuer Vorstoss zur Pflege

Auch in Zukunft wird es im Grossen Rat nicht langweilig: Ich reiche zusammen mit Grossrätinnen und Grossräten von SVP bis SP eine Interpellation mit Fragen zur Kostenrechnung der Pflegeheime ein.

Pflegeausbildung: ein schwaches Stück

Die GRÜNEN sind nicht zufrieden mit dem Ergebnis der Prüfung eines Fachhochschulangebots in Pflege und Physiotherapie im Kanton Aargau – wir sollen demnach ein Praktikumskanton sein und bleiben und die Finger von akademischer Lehre lassen. Als viertgrösster Kanton ein schwaches Stück! Einige möchten deshalb das zugehörige Postulat nicht abschreiben, unterliegen aber mit 112:13 deutlich.

Zwischen den Voten: Gespräche und Beziehungspflege

Daneben muss die Zeit genutzt werden für Austausch und Gespräche mit Alliierten (Kommt noch eine Gegenkandidatur von Mitte-Links für den Regierungsrat? Wie orchestrieren wir die Debatte zur Prämienverbilligung? Wie kommen wir im Kanton Aargau beim Thema Alterspolitik weiter?), mit Kolleginnen und Kollegen auf der anderen Seite des Halbrunds (Wer hat Ambitionen auf ein Richteramt? Ist die Motion für ein besseres Raumklima im Grossratsgebäude reif fürs Einreichen?) oder Beziehungspflege (Wie kommt der Hausbau voran? Wie ist es, ein gehörloses Enkelkind zu haben?).

Am Abend nach Reinach: VERAS

Und nach Sitzungsschluss mache ich mich zusammen mit Thomas Baumann nach Reinach auf, wir debattieren am Abend im «Schneggen» mit Interessierten aus dem Wynental über das Projekt VERAS, über das wir alle am 14.6.26 abstimmen werden. Durch die Fragen und Beiträge der Anwesenden bereichert und immer noch Grüne Parteifreunde unterschiedlicher Meinung zu VERAS, machen wir uns auf unsere Heimwege.