Der Raum Baden braucht ein Tram – und keinen Tunnel. Mit dieser Forderung haben die GRÜNEN Aargau ihre Stellungnahme zum Gesamtverkehrskonzept Raum Baden und Umgebung eingereicht. Den angebotsorientierten Planungsansatz begrüssen die GRÜNEN grundsätzlich; nun müssen die richtigen Prioritäten gesetzt werden.

Der künftige Verkehr findet im Kopf statt

Der entscheidende Wandel muss in den Köpfen der Menschen stattfinden. Grosse Bedeutung kommt deshalb der Kommunikation zu (MM05). Ein Kulturwandel braucht Zeit; entsprechende Massnahmen müssen repetitiv und über einen langen Zeitraum erfolgen und alle Nutzergruppen ansprechen. Wichtig sind auch sichtbare Resultate. Deshalb sollen die tief hängenden Früchte des Massnahmenfächers möglichst bald gepflückt werden. Die GRÜNEN begrüssen deshalb, dass im Bereich des Fuss- und Veloverkehrs der Behebung von Schwachstellen eine hohe Priorität eingeräumt wird.

Besondere Bedeutung kommt dem Parkplatzmanagement (MM03) zu, denn das Parkierungsangebot ist die wichtigste Stellschraube für das Verkehrsaufkommen. Mit mehr als 5600 öffentlich zugänglichen Parkfeldern besteht in der Stadt Baden ein Überangebot, das für das hohe Verkehrsaufkommen in der Region mitverantwortlich ist. Eine kontinuierliche Reduktion des Parkierungsangebots leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der gesteckten Ziele des GVK.

Der künftige Verkehr braucht eine hochqualitative Siedlungsqualität

Wer zu Fuss geht oder Velo fährt, braucht attraktive Wege und belebte Quartiere. Kurze Wege mit einer hohen Aufenthaltsqualität entlasten nicht nur die Verkehrsinfrastruktur, sondern heben auch die Lebensqualität und fördern die Gesundheit. Diese Massnahmen liegen im Verantwortungsbereich der Gemeinden. Der Kanton muss die Gemeinden bei der Umsetzung aktiv begleiten und unterstützen.

Der künftige Verkehr findet im Tram statt

Die Optionen zur künftigen Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs müssen zwingend im Richtplan verankert werden. Ausbau und Priorisierung des Busverkehrs werden explizit begrüsst. Für die GRÜNEN ist die Entwicklung eines Tramsystems als Rückgrat des ÖV im Raum Baden ein notwendiges Szenario, um die angestrebte Verschiebung des Modalsplits zugunsten flächeneffizienter und ökologischer Verkehrsmittel zu erreichen, denn der schienengebundene Verkehr ist sehr viel attraktiver als der Bus. Aus raumplanerischer Sicht wäre freilich ein schnelleres Vorangehen erwünscht, um die grösste Wirkung zu erzielen.

Der künftige Verkehr findet nicht in Tunnels statt

Erweiterungen des Strassennetzes, insbesondere einen Umfahrungstunnel, lehnen die GRÜNEN aus Gründen des Umwelt- und des Klimaschutzes, der fehlenden Zweckmässigkeit gemäss GVK-Zielen, der geologischen Risiken und des ungenügenden Kosten-Nutzen-Verhältnisses grundsätzlich ab. Der durch neue Strassen erzielte Verlagerungseffekt führt erfahrungsgemäss zu einer Verkehrszunahme (induzierter Verkehr). Die freigespielten Kapazitäten werden rasch wieder aufgefüllt, wenn nicht einschneidende flankierende Massnahmen dies verhindern. Der bestehende Eintrag eines Martinsbergtunnels als Zwischenergebnis soll wegen Unzumutbarkeit für das betroffene Siggenthal aus dem Richtplan gelöscht werden.