Interpellation betreffend Rapsanbau und Wasserqualität im Aargau
23. Juni 2026 von Thomas Baumann, Grüne, Suhr (Sprecher), Lucia Lanz, SP, Beinwil am See, Dr. Leandra Kern Knecht, GLP, Windisch, Dr. Philipp Laube, Mitte, Lengnau, Beat Käser, FDP, Stein, Christian Minder, EVP, Niederlenz
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), Chlorothalonil oder Deltamethrin beschäftigt zurzeit die Bevölkerung, Medien, Politik und Verwaltung. Es sind Stoffe, die wir in unserem Alltag, in der Produktion von Waren und Nahrungsmitteln nutzen. Sie haben leider negative Auswirkungen, wenn sie durch ihre gewünschte Anwendung in die Umwelt gelangen. Das Pflanzenschutzmittel Deltamethrin hat im letzten Herbst im Wynental für grosse Aufmerksamkeit gesorgt. In der Wyna wurde der Grenzwert z. T. tausendfach überschritten.
Deltamethrin wird in verschiedenen Bereichen angewandt: Flohhalsbänder für Hunde und Katzen basieren auf der Wirkung von Deltamethrin, ausserhalb des Waldes wird der Borkenkäfer im Holz bekämpft oder bei Schafen und Ziegen werden Schädlinge im Fell bekämpft. In der Landwirtschaft sorgt der Wirkstoff für sichere Erträge bei Gemüse, Kartoffeln oder Zuckerrüben. Besonders hoch ist
die Bedeutung von Deltamethrin beim Anbau von Raps zur Bekämpfung verschiedener Schadinsekten wie dem Rapsfloh, Stängelrüssler oder Rapsglanzkäfer. Das liegt daran, dass die heutigen Rapssorten einen ungenügenden eigenen Schutz (z. B. dicke «Pflanzenhaut» oder eigene insektenabweisende Botenstoffe usw.) ausweisen. Das war mit den alten glucosinolathaltigen Rapssorten anders.
Diese Stoffe schmecken bitter und man vermutet, dass sie in der Rapspflanze zur Abwehr gegen Schadinsekten produziert wurden. Um dem Rapsöl den bitteren Geschmack zu nehmen, wurden die sogenannten Doppel-Null-Sorten ohne diese sekundären Pflanzenstoffe in den Anbau gebracht. Leider mit dem Nachteil der grossen Anfälligkeit gegenüber Insektenbefall. Hier liegt ein grosser Bedarf in der Züchtung von neuen resistenten Rapssorten. Dass Raps heute eine so grosse Bedeutung hat, ist historisch begründet. Während der Anbauschlacht im 2. Weltkrieg leistete Raps einen wesentlichen Beitrag zur Speiseölversorgung. Damals gab es noch keine Sonnenblumensorten, die für die klimatischen Verhältnisse in der Schweiz angepasst waren. In diesem Kontext ist heute auch der
Verein «Schweizer Rapsöl» zu sehen, der sich sehr für den Rapsanbau einsetzt. Für Ölsonnenblumen oder andere Ölpflanzen gibt es keine vergleichbaren Organisationen.
Rapsanbau ist heute ohne hohen Einsatz des Wirkstoffes Deltamethrin nicht mehr machbar. Zwar ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Karate zeon, Techno, Tak 50, Etofenprox oder Cypermethrin nur mit einer Sonderbewilligung der Fachstelle der Liebegg möglich. Da es aber beim Rapsanbau keine anderweitigen Möglichkeiten für einen wirtschaftlichen Rapsanbau gibt, werden diese Anfragen bewilligt. In den sogenannten Agrar-Pflanzenschutzspritzplänen werden 6-16 Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln empfohlen.